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Der Nikolaus in St. Nikolaus
Von JÜRGEN KÜCK

Jahr für Jahr lässt sich der heilige Mann sehr zur Freude der Kinder in der kleinen Warndtgemeinde blicken

 

Jahr für Jahr lässt sich der heilige Mann sehr zur Freude der Kinder in der kleinen Warndtgemeinde blicken.
Von JÜRGEN KÜCK

Einmal im Jahr besucht der Nikolaus seine Heimat. Genau, das kleine Örtchen St. Nikolaus im Warndt. Und wie in jedem Jahr wurde auch am vergangenen Sonntag, dem ersten Advent, die Heimkehr gefeiert.

St. Nikolaus. Erster Advent, 14 Uhr. Das Auto rollt langsam durch Karlsbrunn. Im Radio singt Frank Sinatra "Santa Claus is coming to Town". Das wissen wir besser. Der Nikolaus kommt nämlich nicht in irgendeine Stadt, sondern in seine Heimat: hierher, nach St. Nikolaus, und zwar in ganz genau einer Stunde.

Noch eine Kurve, dann sind wir am Dorfkreuz, am Treffpunkt. Hier, neben dem Nikolausweiher, wird die ruhige Idylle alle Jahre wieder zu Beginn der Adventszeit unterbrochen. Absperrungen, Mikrofone, Halteverbot und Lautsprecherboxen deuten auf hohen Besuch hin, und immer mehr Menschen versammeln sich auf dem kleinen Platz. "Die Karlsbrunner kommen zu Fuß durch den Wald", sagt Hans-Georg Glock, der seit seiner Geburt hier wohnt. Er bedauert zwar, dass das Dorfleben nicht mehr so harmonisch ist wie früher, findet aber, dass St. Nikolaus immer noch "ein wunderbares Fleckchen Erde" ist.

Auch Nikolaus hat einen Spitznamen

Vieles blieb erhalten, und wie früher hat auch jeder heute noch einen Spitznamen im Dorf. Auch der hohe Besucher, auf den alle warten, doch der Spitzname wird Fremden nicht verraten. Wie man hört, wird damit ein gelegentlich sehr energisches Auftreten des Nikolaus bezeichnet. Mehr als 100 Kinder und Erwachsene stehen inzwischen herum und schauen die Hauptstraße entlang. Die, so heißt es, wird er nämlich entlang reiten.

Kurz vor 15 Uhr steigt die Spannung, und es ist eigentlich nicht ganz klar: Warten wir auf St. Martin, auf den Weihnachtsmann oder auf den Nikolaus? Oder auf eine Mischung aus allen? Nun, wir warten auf Manfred König, seit dreißig Jahren Nikolaus in St. Nikolaus. Auch er gehört zur Tradition des Dorfes, und viele Eltern haben schon als Kinder hier gestanden und die Kultfigur erwartet.

Der zehnjährige Tobias Paff hält leicht nervös ein Gedicht in den Händen. Er soll das Nikolaus-ABC aufsagen: "Alle Jahre stets aufs Neu, bringt uns jemand allerlei, Chorgesang der Kinder klingt..." Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Hanna Schiel hat die vierte Klasse das Werk verfasst und sogar bis zum Schluss des Alphabets durchgehalten: "Y er ist sehr nett, Zett!" Keine Bange hat auch der siebenjährige Niels Thiel aus Emmersweiler: "Knecht Rupprecht ist nicht dabei, und hinterher verteilt der Nikolaus in der Turnhalle Süßigkeiten." Ortsvorsteherin Elke Richter betont: "Angstmacher wie Knecht Rupprecht wollen wir nicht."

"Die Kinder freuen sich jedes Jahr über diesen schönen Brauch", berichtet Lehrerin Beate Demuth, die später vom Nikolaus extra gelobt wird, "weil sie Überstunden einlegt und sich nicht am Dienst nach Vorschrift beteiligt". Und da reitet er heran, im lila Ornat, auf einem stolzen Rappen, begleitet von sechs Berittenen des Reitvereins Hirschelau. Die Kinder singen, Hörnerklang ertönt, das Pferd des Nikolaus wackelt mit den Ohren. In einem Begrüßungsgedicht nennt ein Grundschüler den heiligen Mann "ein paar hundert Jahre alt". "Ein paar tausend" korrigiert die Lehrerin leise. Das wahre Alter spielt keine Rolle

Doch das ist dem Manfred Nikolaus König egal. Er lädt alle freundlich zur Bescherung ein und reitet schon mal voran in die Turnhalle. Die Menschen folgen ihm, und zurück bleibt der steinerne Nikolaus, der in den Sockel des Dorfkreuzes eingemeißelt ist. Die Enten auf dem Weiher schlafen weiter, und nach und nach wird es wieder still auf dem kleinen Platz.
Bis zum nächsten Jahr. Dann heißt es wieder gleiche Zeit, gleicher Ort, gleicher Nikolaus. Das hat eben Tradition.





 
   
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