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Der Nikolaus

Nikolaus

oder

Weihnachtsmann?

Verwirrung um die Identität der Gabenbringer
Von Anna Kirberich

Der Weihnachtsmann
 

Der 6. Dezember ist der Tag des Nikolaus. Doch wer ist dieser Mann mit weißem Bart und rotem Mantel überhaupt?
Und in welcher Beziehung steht er zum Weihnachtsmann?
wdr.de bringt Licht ins Nikolaus-Weihnachtsmann-Chaos.

Von Anna Kirberich

Weihnachtsmann gegen Nikolaus?

Nikolaus und Weihnachtsmann - gibt es überhaupt einen Unterschied? Die siebenjährige Linda zuckt ahnungslos mit den Schultern. Der 15-jährige Florian ist sich dagegen sicher: "Der Weihnachtsmann kommt am Heiligen Abend und der Nikolaus am 6. Dezember." Doch nach einer Denkpause machen sich auch bei ihm Zweifel breit: "An Weihnachten kommt doch eigentlich das Christkind", fügt er skeptisch hinzu. Die Verwirrung ist perfekt: Weihnachtsmann, Nikolaus, Christkind - wer verbirgt sich eigentlich hinter diesen schillernden Gestalten der Weihnachtszeit? Betreiben sie Jobsharing, oder sind sie sogar Konkurrenten? Begegnen sie sich bei der Arbeit oder gehen sie getrennte Wege? Immerhin arbeiten sie an einem gemeinsamen Ziel: Die Kinder in der Welt glücklich zu machen.

 

Nikolaus ist der Dienstältere

 "Das ist eine ganz komplizierte Geschichte mit den beiden", meint Alois Döring, Brauch-Experte des Amtes für rheinische Landeskunde (ARL) in Bonn. Eines ist sicher: Nikolaus ist der Dienstältere. Allerdings habe die Person des Heiligen so, wie sie in den Legenden beschrieben wird, nie real existiert. Zwei historische Personen seien Vorbild für die Heiligengestalt gewesen: der Bischof Nikolaus von Myra, der wahrscheinlich im 4. Jahrhundert im kleinasiatischen Lykien lebte, und der gleichnamige Abt von Sion, der auch Bischof von Pinora war und 564 ebenfalls in Lykien starb. Schon zur ersten Jahrtausendwende sei der heilige Nikolaus im griechischen Osten verehrt worden, erzählt Alois Döring. Der Glaube verbreitete sich später auch im westlichen Europa. Nikolaus wurde zum Schutzpatron der Gefangenen, Seefahrer und der Kinder.
Betrüger und wortbrüchige Menschen mussten hingegen seine Strafe fürchten.

 

Bescherung seit dem Mittelalter

Der Brauch der Nikolausbescherung am 6. Dezember entstand im Mittelalter. Dass der Nikolaus überhaupt als Gabenspender auftritt, hängt mit der Jungfrauenlegende zusammen. Danach konnten drei Töchter eines verarmten Patriziers nicht heiraten, weil die Mitgift fehlte. Über Nacht legte der heilige Nikolaus den jungen Frauen unbemerkt je eine goldene Kugel auf das Bett. Seither gilt er auch als Patron der Liebenden und Heiratswilligen.

Der Siegeszug des Weihnachtsmanns begann dagegen erst im 19. Jahrhundert. "In dieser Zeit entwickelte sich Weihnachten als Familienfest, so wie wir es heute kennen, mit einem Weihnachtsbaum und Bescherung am Heiligen Abend", sagt Döring. Das Fest und seine Symbolfiguren wurden verweltlicht. Die Bischofstracht wurde durch einen roten Mantel ersetzt. Der Weihnachtsmann verkörperte nun Charakterzüge vom heiligen Nikolaus und seinem Begleiter Knecht Ruprecht.

Aber auch das Christkind sollte schon einmal den Nikolaus als Gabenbringer ablösen. Martin Luther schaffte 1535 die Bescherung durch den Heiligen ab und übertrug die Aufgabe an den "heiligen Christ". Auch heute noch bringt das Christkind in vielen Familien am Weihnachtstag die Geschenke.

 

Global Player mit PS

Der Weihnachtsmann sei in der Zwischenzeit zum Heiligen der Werbebranche geworden, kritisiert Döring. Wo man auch hinschaut, der Global Player mit dem Rauschebart und der Zipfelmütze ist schon da: In Geschäften, auf Werbeplakaten, im Fernsehen oder auf Betriebsfeiern. Doch auch er hat Konkurrenz bekommen: den smarten US-Amerikaner Santa Claus. Er soll Anfang der 30er Jahre von einem bekannten Getränkehersteller entworfen worden sein. Santa Claus reist mit einem PS-starken Truck, trägt einen Gürtel, schwere schwarze Stiefel und liebt braune Limonade.

Der klassische Nikolaus hat sich dagegen in seine ursprünglichen Nischen zurückgezogen. Döring: "Der Nikolaus in Bischofsgewand und Mitra kommt noch in die Kindergärten und zu den Familien." Bei traditionsbewussten Erwachsenen erlebe er langsam ein Revival, stellte Döring in einer Befragung fest. Beginnt also der Stern des Weihnachtsmanns zu sinken? Viele Menschen vermissten das Geheimnisvolle und die Glaubwürdigkeit des Heiligen, so Döring.
Der Nikolaus hat also lange nicht ausgedient.





 
   
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